Der Weg des Freimaurers

Die Grade der Johannisloge

Wer als Suchender in die Freimaurerei aufgenommen wird, durchläuft in den folgenden Jahren drei Grade der „blauen" Johannisfreimaurerei: Lehrling – Geselle – Meister. Jeder Grad versinnbildlicht eine Stufe der inneren Entwicklung; eine Rangordnung im Sinne von Über- und Unterordnung besteht nicht – alle Freimaurer sind gleichberechtigte Brüder.

Die Symbolik der Steinbearbeitung

Der raue Stein steht für den noch unvollkommenen Menschen beim Eintritt – Sinnbild des Lehrlings. Der kubische Stein steht für den gereiften Menschen, der sich passgenau ins Bauwerk einfügt – Sinnbild des Gesellen. Die Werkzeuge der Steinmetze – Spitzhammer, Winkelmaß, Zirkel, Senkblei, Lot und Kelle – werden als Symbole moralisch ausgedeutet.

I. Grad: Lehrling – „Schau in dich!"

Die Blickrichtung des Lehrlings geht nach innen. Er arbeitet symbolisch am rauen Stein – überstehende Kanten und Ecken sind abzuschlagen, Lücken zu schließen. Die Leitfragen lauten: Wer bin ich? Was tue ich in dieser Welt? Was mache ich richtig, was falsch?

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt. Der Lehrling lernt, sich seiner Schwächen bewusst zu werden und der Hilfe anderer zu bedürfen. In der christlichen Lehrart steht die Erkenntnis der eigenen Gotteskindschaft im Mittelpunkt.

II. Grad: Geselle – „Schau um dich!"

Die Blickrichtung geht nach außen. Der Geselle ist nun ein kubischer Stein, der sich passgenau in das gemeinsame Bauwerk – den „Tempel der Humanität" – einfügt. Er „geht auf Reisen": Er besucht andere Logen und lernt neue Brüder, Dinge und Aspekte kennen.

In der christlichen Lehrart steht die Bedeutung von Aktion und Reaktion im Vordergrund: Alle Menschen und die ganze Natur sind verknüpft, jede Handlung hat Konsequenz.

III. Grad: Meister – „Schau über dich!"

Die Blickrichtung geht nach oben. Der Meister hat umfassendes Wissen gesammelt und soll es zum Wohle der Freimaurerei und der Menschheit anwenden. Er ist „Planer und Architekt am Reißbrett".

Die großen Fragen von Leben und Tod, Werden und Vergehen stehen im Mittelpunkt – das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit und die Aufgabe, Erfahrungen weiterzugeben. Am Ende ist jeder Meister wieder Lehrling – die Arbeit am rauen Stein hört niemals auf.

Das geschlossene System der Großen Landesloge

Die drei Johannisgrade sind in der GLLFvD kein Endpunkt, sondern der Anfang eines geschlossenen Lehrgebäudes. Insgesamt umfasst das System zehn Erkenntnisstufen in drei Ordensabteilungen:

Ordensabteilung Grade Bezeichnung
Johannislogen 1–3 Johannislehrling, Johannisgeselle, Johannismeister
Andreaslogen 4–6 Andreas-Lehrling-Geselle, Andreas-Meister
Ordenskapitel 7–10 (+11) Weiterführende Erkenntnisstufen; 11. Ehrengrad

Der Weg ist ein lebenslanger Erziehungsprozess. Die Johannisloge, in die ein Suchender aufgenommen wurde, bildet und bleibt auch immer die eigentliche maurerische Heimat eines jeden Bruders.