Die Königliche Kunst

Was ist Freimaurerei?

Die Freimaurerei gehört zu den interessantesten und zugleich schwer erklärbaren geistigen Phänomenen der westlichen Welt. Ihr Grundziel: „Aus guten Männern bessere machen." Das Wesentliche ist die Liebe zum Menschen an sich – unabhängig von Nation, Stand oder Religion.

Ein Freimaurer ist ein „freier Mann von gutem Ruf". Frei sein meint vor allem frei von inneren und äußeren Zwängen zu sein – Zwänge des Denkens in Konfession, Glauben oder in verfestigten Standpunkten. Der Logenname „Zum Pilgrim" ist daher Programm: Jeder Freimaurer geht seinen Weg, für sich und doch gemeinsam mit seinen Brüdern.

Fünf Grundsätze

  • Freiheit – von Unterdrückung und Ausbeutung als Grundlage geistiger und individueller Verwirklichung
  • Gleichheit – aller Menschen ohne Klassenunterschiede und vor dem Gesetz
  • Brüderlichkeit – durch Sicherheit, Vertrauen, Fürsorge und Mitverantwortung
  • Toleranz – durch aktives Zuhören und Verständnis für andere Meinungen
  • Humanität – als Summe der vier Säulen, symbolisiert durch den „Tempel der Humanität"

Geschichtliche Wurzeln

Im Mittelalter waren die Freimaurer eine brüderliche Gesellschaft von Werkmaurern (Steinmetzen) auf religiöser Grundlage. In den Dombauhütten wurden Lehrlinge, Gesellen und Meister unterrichtet; es gab strenge Sitzordnung, ritualisierte Abläufe und eine Pflicht zur Geheimhaltung des handwerklichen Wissens.

Mit dem Rückgang der Kirchenbauten nahm man zunehmend „Accepted Masons" auf – Offiziere, Beamte, Künstler, gebildete Bürgerliche. Am 24. Juni 1717 schlossen sich vier bestehende Londoner Logen zur ersten Großloge der Welt zusammen – der Geburtstag der modernen Freimaurerei.

Freimaurerei und Aufklärung

Freimaurerei und Aufklärung entstanden in etwa zur gleichen Zeit und teilen zahlreiche Grundüberzeugungen. In der Loge gab es keine scharfe Trennung mehr zwischen Adel und Bürgerlichen – „alle waren Brüder und damit gleich". Der Bruder war kein Untertan, sondern „Mensch unter Menschen" und freier Mann.

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" Immanuel Kant, 1784

Toleranz als Grundlage

Freimaurerische Toleranz bedeutet nicht gleichgültiges Geltenlassen, sondern aus der Selbsterkenntnis der eigenen Unvollkommenheit erwachsenden Respekt vor anderen. Ihre Grenze findet sie an der Intoleranz von Fanatikern. Deshalb haben totalitäre Regime die Freimaurerei stets bekämpft.

Das Geheimnis der Freimaurerei

Verschwiegenheit dient dem ungestörten Erlebnisrahmen und vermeidet Missverständnisse über das Ritual. Das Geheimnis der Freimaurerei ist letztlich kein verborgenes Wissen, sondern ein Erlebnis: ein hoch entwickeltes System sinnlicher Erfahrung.

Die Königliche Kunst

Wesentlicher als alles andere ist der Freimaurer auf die eigene Vervollkommnung gerichtet. Dafür bedarf es der täglich selbstprüfenden Übung des Geistes – eine Kunst, die in der Freimaurerei die „Königliche Kunst" des Menschen und seinem täglichen Weg zur Humanität genannt wird.

Mit so gestärktem Bewusstsein vom eigenen menschlichen Wesen muss ein Freimaurer sich dann aber auch im Leben für und mit anderen als Freimaurer bewähren, einbringen und wirken.

Bekannte Freimaurer

Gotthold Ephraim Lessing, Johann Wolfgang von Goethe, Wolfgang Amadeus Mozart, Friedrich der Große, Gustav Stresemann, Carl von Ossietzky, Adolph Freiherr Knigge, George Washington, Winston Churchill, Louis Armstrong und viele andere.